CONTIGO HUARMEY

# CONTIGO HUARMEY: Kulturweit-Freiwillige berichtet von Santa Ursulas Hilfe für Unwetteropfer in Peru

von Anastasia Parinow

Am 22. April fuhr ich mit Paola, der Mutter einer Schülerin der Primarstufe, in die Region Ancash nach Huarmey. Dort lebt ihre Familie; das Haus ihrer Tante wurde zerstört. Gemeinsam mit Freunden, Familienmitgliedern, LehrerInnen und dem Pastoralteam des Colegio Santa Ursula hat sie die Initiative #CONTIGO HUARMEY ins Leben gerufen. Seitdem fährt sie regelmäßig am Wochenende dorthin, um Spenden zu verteilen. Die kleine Stadt Huarmey wurde durch die Überschwemmungen und Huaycos im März sehr stark beschädigt und war deswegen mehrfach in den Medien. Wegen der extremen Feuchtigkeit ist darüber hinaus eine Mückenplage ausgebrochen, durch die das Risiko am Denguefieber zu erkranken extrem gestiegen ist. Den Menschen vor Ort fehlt es folglich nicht nur an Obdach und Medizin, sie benötigen ebenfalls simpelste Hygiene- und Schutzmittel. Ziel unserer Fahrt war es Hilfsgüter, unter anderem Wolldecken, Seife und Moskitoschutz, zu verteilen.

Nach einer fünfstündigen Fahrt kamen wir in einer kleinen Stadt an, die auf den ersten Blick ziemlich intakt wirkte. Auf dem Marktplatz tummelten sich Leute und gingen ihren Geschäften nach, an kleinen Ständen wurde wohlduftendes Essen verkauft. Doch schon nach ein paar Schritten wurden die Verwüstungen sichtbar. An Wänden zeichneten sich die Spuren des Wasserstandes ab, an den Straßenrändern häuften sich riesige Schlammberge, die die BewohnerInnen mühsam mit Schubkarren aus ihren Häusern heraustransportierten. Das geht nun schon seit über zwei Wochen so und dennoch ist das Ende der Aufräumarbeiten noch nicht in Sicht. Die ehemals durchaus farbenfrohe Stadt ist nach den Huaycos in ein monotones Ocker gehüllt. Je mehr wir uns dem Flussufer näherten, desto größer wurde das Ausmaß der Verwüstung sichtbar: Völlig zerstörte Felder, Straßen, Häuser. Menschen, die ihre gesamte Ernte oder ihr Zuhause verloren haben. Ein Mann stand auf einem großen Schutthaufen und erklärte uns, dass das noch vor einem Monat sein ganzes Hab und Gut gewesen sei. Nun schlafen er und andere Betroffene entweder bei ihren Familien und Freunden oder übernachten draußen in Zelten.

Die Spenden wurden mit größter Dankbarkeit und Freude empfangen, als wären es nicht „nur“ simple Alltagsutensilien, sondern etwas wirklich Kostbares. Die Hilfsgüter mussten streng portioniert werden. Das war aus Gründen der Fairness und Übersichtlichkeit selbstverständlich notwendig, wobei es mir dennoch leid tat Menschen ein zweites Stück Seife zu verwehren, wenn sie mir erklärten, dass eins für ihre große Familie nicht ausreiche.

Vereinzelt waren andere Freiwillige anzutreffen, die bei den Aufräumarbeiten halfen. Ich sah auch verschiedene Stände, an denen Essen oder Spenden von Schreibwarengeschäften verteilt wurden. Das alles sind aber vereinzelte Hilfskampagnen - was fehlt, ist eine staatlich strukturierte und nachhaltige Versorgung solcher Krisengebiete. Niemand weiß genau, woran es vor Ort wirklich mangelt und womit diese Gebiete am Notwendigsten verpflegt werden müssen. Auch unser Hilfsausflug war nur Paolas Ortskenntnissen und ihrem ständigen Austausch mit Angehörigen geschuldet.

Mir hat diese Fahrt nochmals vor Augen geführt, wie wichtig es ist sich zu engagieren und zu helfen. Es ist etwas völlig Anderes Bilder von dieser Naturkatastrophe in den Nachrichten zu sehen, als direkt persönlichem Leid gegenüberzustehen. Das Ausmaß der verheerenden Zerstörungen durch die Huaycos war mir vorher nicht in diesem Maße bewusst. Die Notwendigkeit von privatem Engagement ist umso höher, wenn staatliche Hilfe nur mangelnd vorhanden ist. Daher ist es wichtig sich zu informieren, welchen Hilfsprojekten – und davon gibt es glücklicherweise zahlreiche – man sich anschließen kann. Auch wenn diese Art von Hilfe nur punktuell von Nutzen ist, ist sie immerhin ein kleiner Schritt zur Besserung.

 

 

Viernes, 19 Mayo 2017
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